Sehr
geehrter Landrat Dr. Heiko Schmid,
sehr geehrter Kreiskämmerer Ralf Miller,
meine sehr geehrten Damen und Herren der Landkreisverwaltung,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Mit der Einführung der Doppik
beginnt für den Kreis Biberach gewissermaßen eine neue Zeitrechnung.
Der uns vorliegende
Haushaltsplan für das Jahr 2012 in Form der doppelten Buchführung gibt uns als
Mandatsträger die Möglichkeit, mehr als je zuvor die strategische Steuerung in
unserem Landkreis mit dem Rechnungswesen zu verknüpfen.
Der Haushaltsplan 2012 gibt uns einen
korrekten Überblick über die wirkliche finanzielle Situation und über die
wesentlichen Leistungen im kommenden Haushaltsjahr.
Liebe Kolleginnen und
Kollegen der neue Haushaltsplan schafft „Transparenz“ über die Ausweisung des
Ressourcenverbrauchs und er schafft „Aufmerksamkeit“ bezogen auf
die intergenerative Gerechtigkeit.
Jede Generation soll den Ressourcenverbrauch grundsätzlich
selbst tragen.
Dies wird im uns vorliegenden Haushaltsplanentwurf
2012 erreicht da die Aufwendungen durch die Erträge gedeckt sind.
Wir können – und das ist ein ganz wichtiger
Punkt – die im Haushaltsplan ausgewiesenen Nettoabschreibungen in Höhe von 4,3
Mio. erwirtschaften.
Wir als Freie Wähler
Vereinigung danken dem Kämmerer und seinen Mitarbeitern für den Kraftakt, den
die Finanzsystemumstellung ohne zusätzliches Personal erforderte.
Nach der Aufstellung des
Haushaltsplanentwurfs durch die Verwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen,
sind wir als politische Entscheidungsträger gefordert.
Die Verantwortung über die Gestaltung der
Zukunft im Landkreis Biberach liegt in unserer, in der Hand des Kreistags.
Dafür sind wir gewählt
worden!
Und Verantwortung übernehmen
wir für die getroffenen und auch für noch vor uns stehenden, dringend,
notwendigen Entscheidungen.
Laut einer Umfrage sind die
Baden-Württemberger die zuversichtlichsten Bürger in ganz Deutschland. Die
Bürgerinnen und Bürger treibt nicht die Angst vor der wirtschaftlichen
Entwicklung um – nein Sie haben offenbar andere Sorgen: 58 % der Menschen in
unserem Ländle treibt die Sorge um, die Politiker könnten überfordert sein.
Liebe Kolleginnen und Kollegen lassen Sie uns
gemeinsam dafür arbeiten, dass hier nicht wir Kommunalpolitiker gemeint sein
können.
Ich bin überzeugt davon, dass
wir im Vergleich zur großen Politik im Landkreis Biberach vieles besser machen.
Wir Freien Wähler wollen eine
nachhaltige Liquiditätssicherung, um unsere Aufgaben – wie zum Beispiel die
Weiterentwicklung der Kliniken – bewältigen zu können.
Gute und leistungsstarke
Krankenhäuser stehen deshalb in den kommenden Jahren ganz oben in der
Zielpyramide der Freien Wähler.
Auch wenn die Rahmenbedingungen immer
schwieriger werden.
Tariferhöhungen und
Investitionen drücken auf das Budget, die nur sehr schwer durch Erlöse in Form
von Leistungssteigerungen kompensiert werden können.
Die Bundesregierung hat die
Situation inzwischen erkannt, das kann unser Abgeordneter Josef Rief sicher
bestätigen, und der Bundestag will nach den ersten Klinikinsolvenzen die
dringend notwendige Änderung der Finanzierung vornehmen.
Leider warten wir auf eine
verbindliche Stellungnahme vom Land zu unserem geplanten Drei-Standortmodell bisher
vergeblich. Sie ist zur Planungssicherheit dringend notwendig.
Das Land gibt nach wie vor zu
wenig Investitionsmittel für die Krankenhäuser frei.
Nach unserer Einschätzung
werden wir dauerhaft nicht vorbeikommen,
künftig einen Kreisumlagepunkt plus X für unsere Krankenhäuser zu zahlen,
sollte es bei dem im Frühjahr gefassten Beschluss bleiben. Wir Freien Wähler halten
dieses Geld für gut angelegt.
Allerdings ist für uns die
von der Verwaltung vorgeschlagene Erhöhung der Kreisumlage um 1,9 %-Punkte noch
keine beschlossene Sache. Die vorhandene Rücklage bietet noch
Verhandlungsspielraum.
Wir werden auf jeden Fall die
Beratungen in der Verwaltungs- und Finanzausschusssitzung am 24.11.2011 mit zur
Entscheidungsfindung nützen.
Wir haben in den vergangenen
guten Haushaltsjahren eine Senkung vom Hebesatz abgelehnt damit Rücklagen für schlechtere
Jahre angespart werden können.
Dadurch waren wir als
Landkreis in den letzten Jahren ein berechenbarer Partner für die Städte und
Gemeinden im Landkreis Biberach.
Bevor die
Kreisumlage erhöht
wird ist jetzt die Zeit gekommen, sich der Rücklagen zu
bedienen.
Liebe Kreistagsmitglieder,
uns ist aber auch klar, dass wir die finanzielle Grundlage für die
Weiterentwicklung unserer Kliniken und die Einnahmenausfälle durch die Energiewende
schaffen müssen.
Der voraussichtlich notwendige
Betriebskostenzuschuss an unsere Kliniken und die geplanten Mindereinnahmen
durch den Rückgang der OEW-Ausschüttung verlangen von uns – liebe Kolleginnen
und Kollegen – Entscheidungen.
Entscheidungen zur Erhöhung
der Einnahmen aber auch Entscheidungen zur Verringerung der Ausgaben.
Die politische Entscheidung
zur Energiewende und der Ausstieg aus der Kernenergie fordert durch die
geringere Ausschüttung, wie von jedem Stromverbraucher, auch vom Kreis einen
nicht unerheblichen Beitrag.
Einem Unternehmen wie der EnBW nach der
politischen Entscheidung zur Energiewende Strategielosigkeit vorzuwerfen ist unserer
Ansicht nach nicht gerechtfertigt.
Wir stehen zur EnBW!
Der schnelle Umstieg von der risikobehafteten
Kernenergie auf die investitionsaufwendige alternative Energiegewinnung
verursacht hohe Abschreibungen und gleichzeitig hohe Investitionen, die von den
Gesellschaftern und von den Stromverbrauchern mitgetragen werden müssen.
Auch für uns als Kreis haben
sich die finanziellen Rahmenbedingungen geändert und der Ausgleich soll nach
unserer Meinung durch Ausgabenkürzung und Einnahmenerhöhung ausgeglichen
werden.
Bevor über
Einnahmeverbesserungen diskutiert wird, sollte die Ausgabenseite beleuchtet
werden. Neben dem Sozialbereich sind dies die Personalaufwendungen mit ca. 42
Mio. Euro.
Zu den im Haushaltsplan
ausgewiesenen zusätzlichen Stellen im gehobenen Dienst von A11 bis A13 erwarten
wir von der Verwaltung eine Erklärung in
nichtöffentlicher Sitzung.
Es ist für uns nicht klar,
wieso eine große Anzahl an Beamtenstellen angehoben werden sollen.
Auch eine
Organisationsuntersuchung, bei der die Aufgaben der Verwaltung und die
Organisationsstruktur überprüft werden - kann eine Einsparung bringen.
Schon die Änderung der
Reinigungsintervalle bei Verwaltungs- und Schulgebäuden kann zu Entlastungen
von bis zu 100 TEuro beitragen.
Der Veräußerung von
Landkreiseigentum, das zur Aufgabenerfüllung nicht mehr notwendig ist, wie z.
B. dem Hofgut „Sommershausen“ könnten wir als Freie Wähler auch zustimmen.
Aber das mit Abstand größte
Sorgenkind ist unser Sozialhaushalt, der im Teilhaushalt 5 dargestellt ist.
Meine Damen und Herren, die Einnahmen
der durch die Kreisumlage von den Städten und Gemeinden zu erbringenden Mittel in
Höhe von 61,1 Mio. Euro werden voll umfänglich zur Deckung vom
Nettoressourcenbedarf in Höhe von 62,5 Mio. Euro benötigt.
Die Sozialausgaben bewegen
sich unverändert auf hohem Niveau und steigen selbst in Zeiten des
Wirtschaftswachstums und der in unserem Landkreis glücklicherweise gegebenen
Vollbeschäftigung weiter an.
Erfreulich ist die Erhöhung
des Bundesanteils für die Grundsicherung im Alter sowie die
Unterbringungskosten für Arbeitssuchende.
Demographiebedingt wird diese
Entlastung allerdings durch die steigende Eingliederungshilfe – in der
Zwischenzeit 25 Mio. Euro - für Menschen mit Behinderung wieder kompensiert.
Positiv wirkt sich die
Umsetzung der Handlungsempfehlung der Teilhabeplanung aus.
Bei der Grundsicherung für
Arbeitssuchende werden wir durch die geringe Arbeitslosigkeit und dem Rückgang
der Bedarfsgemeinschaften im Landkreis mit 1,2 Mio. Euro entlastet
Die Entscheidung des Bundes
für die Optionslandkreise war richtig.
Leider verdoppeln sich die
Ausgaben für Wohnsitzlose auf nahezu 200 T. Euro.
Ärgerlich ist auch der hohe Verwaltungsaufwand
für die Abwicklung des Bildungs- und Teilhabepaketes.
Die Kosten bei der
Jugendhilfe, Schulsozialarbeit und vollstationären Betreuung steigen weiter an.
Alleine bei der vollstationären Betreuung ist ein Zugang von 30 Fällen im
Haushaltsplan 2012 eingeplant.
In diesem schwierigen Bereich
soziale Sicherung gilt unser Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im
Sozialamt für ihre besonders aufwendige und sicher vielfach belastende Arbeit.
Und wir gehen davon aus, dass die Stellen
innerhalb vom Dezernat auf die veränderten Bedürfnisse angepasst wurden. Und
zwar nach unten.
Liebe Kolleginnen und
Kollegen, unser Teilhaushalt 3 Schulträger weist für 2012 noch eine
Investitionssumme von 3 Mio. Euro für die Kilian-von Steiner Schule in Laupheim
aus.
Doch auch nach dem Abschuss
der großen Investitionen an unseren Landkreisschulen und damit in unsere
Zukunft können Entscheidungen vom Landtag wie die Schulerbeförderung zum
Wunschschulstandort weitere Kosten für den Landkreis verursachen.
Wir erwarten, dass das Land
die entstehenden Mehrkosten in vollem Umfang ausgleicht.
Der
Investitionsbedarf im
Bereich Straßenbau (Teilhaushalt 9) geht im Jahr 2012 von 7,26
Mio. auf 6,57 Mio. Euro zurück. Positiv wird von uns
die geplante Investition
im Jahr 2012 in den Geh- und Radwegbau im Landkreis Biberach gesehen.
Die von den Freien Wählern
mit Kreistag stets getragene Nordwestumfahrung von Biberach kommt zügig voran.
Den Aufstieg zur B 30 müssen die Gemeinde Warthausen, die Stadt und der
Landkreis Biberach gemeinsam weiter vorantreiben und planen in der Hoffnung,
dass Bund und Land uns die Zuständigkeit für die Planung und Realisierung nicht
streitig macht.
Die Straßenbaumaßnahmen
„Beseitigung Unfallschwerpunkt“ Kreisel Mittelbiberacher Steige, Umgehung
Unlingen, Umfahrung Ringschnait, B312 und B311 haben für uns oberste Priorität
und werden von uns wie die Zusagen zum Bau der Kernstadtentlastungsstrasse in
Riedlingen gefordert und gefördert.
Wir unterstützen den Landkreis
beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur damit unsere Unternehmen nicht weiter aus
Gemeinden mit schlechter Infrastruktur abwandern.
Wichtig ist uns auch, dass
die Elektrifizierung der Südbahn zum zugesagten Zeitpunkt kommt.
Der im Haushaltsplan enthaltene
Wirtschaftsplan 2012 für den Abfallwirtschaftsplan findet unsere Zustimmung.
Wir sind auf die Einarbeitung
der vom Bundestag beschlossenen Vorgaben gespannt.
Trotz der anstehenden
Änderungen können wir unseren Bürgerinnen und Bürgern auch im Jahr 2012
Gebührenstabilität bieten, dank der vorhandenen Rücklagen.
Nach Abschluss der
Erdabdichtung der Deponie in Reinstetten bitten wir die Verwaltung möglichst
schnell den Aufbau von Photovoltaikanlagen zu ermöglichen.
Zu folgenden Fragen bitten wir
die Verwaltung in den nächsten Tagen um Antworten:
Wie ist der Stand über die
Verhandlungen mit dem Land zu unseren Straßenmeistereien. Im Haushalt werden
eine Investition und ein Zuschuss ausgewiesen.
Diese Bezeichnungen bedeuten
einen großen Unterschied bei den Eigentumsverhältnissen?
Welche vier Stellen müssen nach gesetzlicher Vorgabe
im Landratsamt neu geschaffen werden?
Wie sieht die Kostendeckung
bei unserem Schülerwohnheim beim Berufsschulzentrum in Biberach aus?
Und wie begründet sich der dringende
Bedarf für die Einführung vom Geoinformationssystem?
Die im Haushaltsplan 2012
aufgeführten Freiwilligkeitsleistungen tragen wir als Freie Wähler noch weitgehend
mit. Eine Überprüfung ist durch die auf uns zukommenden Kosten im Klinikbereich
zwingend geboten. Und zwar sehr bald!
Ohne die Probleme im
Klinikbereich bescheinigt uns unser neu aufgestellter Haushaltsplan dank der
Finanzkraft der heimischen Wirtschaft gute Zahlen.
Wir stehen zum Einsatz von
Ralf Miller als Geschäftsführer der Kliniken und werden Ihn bei den anstehenden
Entscheidungen unterstützen.
Deshalb wollen wir ihn bei
der Haushaltsplanberatung nicht über Gebühr belasten.
Bei Ihnen Herr Landrat Dr.
Schmid und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landkreises bedanken wir
uns für die Arbeit zum Wohle unserer Kreisbürger.
Die vor uns liegenden Jahre,
liebe Kolleginnen und Kollegen, werden nicht einfach. Wir freuen uns auf
sachliche, konstruktive und erfolgreiche Haushalts- und Finanzberatungen.
Herzlichen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!
Manfred Lämmle 09.11.2011
(Haushaltsrede
als pdf-Download)