Sehr
geehrter Landrat Dr. Heiko Schmid,
sehr geehrter Kreiskämmerer Ralf Miller,
meine sehr geehrten Damen und Herren der Landkreisverwaltung,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren!
Für uns Freie Wähler im Biberacher Kreistag hat der Kreishaushalt
2011 eine
besondere Bedeutung. Es ist der erste Haushalt nach dem stärksten
Konjunktureinbruch seit Bestehen der Bundesrepublik und es ist der letzte kameralistische
Haushalt im Biberacher Kreistag.
Die vom österreichischen Hofrat Johann Mathias Puechberg 1762
eingeführte Kameralistik hat bis heute die notwendige Informations- und Dokumentationspflicht erfüllt.
Die Mehrheit des Landtags hat die Einführung der
Doppik-Haushaltsführung für die Kreise und Kommunen bis 2016 vorgeschrieben, hält
aber beim Landeshaushalt an der Kameralistik fest.
Wir Freien Wähler zweifeln an der Sinnhaftigkeit der doppischen
Haushaltsführung der Kreise und Kommunen. Die Einführung der doppischen
Haushaltsführung, aber vor allem die Bewertung der Anlagen kann nur mit
zusätzlichen Personalresourcen geleistet
werden.
Wir sind gespannt, wie die Ausweisung des Inventars, die
Bilanzierung und Bewertung der Anlagen im nächsten Kreishaushalt ausfällt.
Nachdem es aber der Gesetzgeber verlangt, anerkennen wir,
dass die Kreisverwaltung diese Vorgabe zeitnah umsetzt und wir danken ihr, dass
ihr dies ohne zusätzliches Personal gelingt.
Beim Kreishaushalt 2011 wird die Kreisumlage bei gleichem
Hebesatz durch den Konjunktureinbruch um
über 10 Millionen zurückgehen.
Doch auch wir sind dafür, wie von der Verwaltung
vorgeschlagen, am bisherigen Kreisumlagehebesatz
in Höhe von 28,4 % festzuhalten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, durch unsere gemeinsame kluge
Entscheidung, den Hebesatz in den vergangenen guten Jahren nicht zu senken,
haben wir Werte geschaffen und das Vermögen des Landkreises deutlich erhöht.
Ein gleichbleibender Hebesatz ist unserer Ansicht nach für
unsere Kommunen im Landkreis Biberach ein Zeichen für ein partnerschaftliches
und berechenbares Miteinander.
In unseren
Überlegungen, den Hebesatz bei 28,4 % zu halten, hat natürlich auch die sehr
gute Konjunkturprognose eine Rolle gespielt.
Zum prognostizierten Wirtschaftswachstum in Baden Württemberg
in Höhe von 5 % leisten die erfolgreichen Unternehmen im Kreis einen nicht
unerheblichen Beitrag.
Dieser Beitrag wird
uns die Aufgabenerfüllung über die Steuereinnahmen auch in Zukunft ermöglichen.
Im Bereich Bildung wurden in den letzten Jahren viele Millionen
in die Sanierung und in Neubauten investiert.
Und auch im vorliegenden Haushalt werden noch einmal 4,694 Millionen
in die Kilian-von-Steiner-Schule in Laupheim investiert.
Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, das
ist keine Bildung.
Ja, meine Damen und Herren - Bildung gehört zu unseren
wesentlichen Standortfaktoren in der Gegenwart und in der Zukunft.
Dies haben auch die Geschäftsführer der Unternehmen im Kreis Biberach beim
Bildungsnetzwerk der IHK am vergangenen Dienstag nachhaltig bestätigt.
Mit der Erweiterung und Modernisierung der Kilian-von-Steiner Schule in Laupheim haben wir dann
insgesamt die beste Infrastruktur geschaffen und die bauliche Entwicklung der
Schulen im Landkreis Biberach weitgehend abgeschlossen.
Leider ist eine Erweiterung in Riedlingen durch den kreisweiten
Rückgang der Schülerzahlen um ca. 200 Schülerinnen und Schüler nicht mehr
notwendig.
In Riedlingen steht an der Berufsschule
künftig noch die energetische Sanierung des als Schule verwendeten denkmalpflegerisch
interessanten und städtebaulich wertvollen früheren Krankenhauses an.
Wir bitten die Verwaltung zu prüfen, ob für diese Maßnahme
aufgrund dieser Bedeutung des Gebäudes ein Zuschuss aus der Schulbauförderung
erreicht werden könnte.
Wir begrüßen die vorgesehene Modernisierung der Aula des
Kreisgymnasiums, das nach Durchführung dieser Maßnahme und Realisierung der
Contracting-Lösung für klimaschonende Heizung mit nachwachsenden Rohstoffen
ebenfalls umfassend modernisiert sein wird.
Im Gegensatz zum Kollegen Eugen Schlachter stellen wir die
Schulträgerschaft für diese Schule und den durch sie bedingten
Schullastenausgleich des Landkreises an die übrigen kommunalen Träger von
Gymnasien nicht in Frage, sondern sehen in ihr
einen sinnvollen Beitrag zu Bildungsinvestitionen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zukunft der Krankenhäuser
in kommunaler Trägerschaft ist für uns Freien Wähler eine weitere sehr wichtige
Grundlage für unseren Standort und die Lebensqualität unserer Bürger.
Die im Haushaltsplan 2011 bis 2014 eingeplanten Mittel in
Höhe von 14,7 Millionen für unsere Kliniken tragen wir in vollem Umfang mit.
Durch die vorhandenen Rücklagen, die neue sehr positive
Steuerschätzung und die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Landkreis sind
wir durchaus guten Mutes für zukünftige und zukunftsweisende Investitionen im
Klinikbereich.
Wir brauchen weiterhin eine flächendeckende gute medizinische
Versorgung für die Bevölkerung in unserem Landkreis.
Auch der Ministerrat hat jetzt ein
Zehn-Punkte-Aktionsprogramm „Landärzte“ mit einem Investitionsvolumen in Höhe
von 7 Millionen für die Sicherstellung einer flächendeckenden ambulanten
ärztlichen Versorgung beschlossen.
Die Versorgungsräume müssen laut der Pressemitteilung vom
Landkreistag am Dienstag, 09.11.10 kleinräumiger als bisher strukturiert
werden.
Hier bieten sich Synergien und Kooperationen mit unseren
vorhandenen Kliniken im Landkreis an.
Die gute Versorgung kann aber nur mit Krankenhäusern erreicht werden, die für Patienten und Ärzte
attraktiv sind und dem ständigen Wandel der
Gesundheitsreformen und des medizinischen Fortschritts Rechnung tragen. Dabei wird, wie in der
Vergangenheit, der Einsatz erheblicher kreiseigener Mittel für Baumaßnahmen im
Krankenhausbereich auch in Zukunft unerlässlich sein. Wahrscheinlich werden wir
auch, wie andere Landkreise, in Zukunft nicht um gewisse Trägerzuschüsse für
den laufenden Betrieb herumkommen.
Dies wird eine der Grundsatzentscheidungen sein, die der
Kreistag im nächsten Jahr zu treffen hat.
Wir fordern vor dieser anstehenden Grundsatzentscheidung über
die Weiterentwicklung der Kliniken die Änderung des Gesellschaftsvertrags.
Dabei sollten die Mitwirkungsrechte des Kreistags bei
Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung auch im personellen Bereich
gestärkt, und die Führung des laufenden
Betriebs soll dadurch erleichtert werden. Wir
wollen auch eine Vertretung des Personals mit zwei Mitgliedern und die
Mitwirkung des ärztlichen Direktors im Aufsichtsrat.
Leider steigen die Ausgaben im Haushalt 2011 im Bereich der
Sozialen Sicherung um weitere 1,751 Millionen Euro auf nunmehr 56,356 Millionen.
Die Ausgaben für die Soziale Sicherung sind im Jahr 2011 um 1,2
Millionen höher als die Einnahmen, die von den Kommunen über die Kreisumlage an
den Landkreis abgeführt werden.
Wir anerkennen die Bemühungen der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Sozialamts, die für eine gute Unterbringung der Kinder und Jugendlichen im Landkreis sorgen.
Die
Probleme kommen auch bei uns im Landkreis BC leider immer
mehr an. Das zeigt die prognostizierte Kostensteigerung
bei den Hilfen zur Erziehung auf ca. 9,5 Millionen. Dabei ist die Zahl
der Heimunterbringungen mit 126 im Landkreis Biberach sehr hoch
angesetzt.
Die Arbeit und das Engagement der Beratungsstellen, die die
Tätigkeit des Kreisjugendamtes und des Kreissozialamtes unterstützen, ist für
uns äußerst wichtig und ohne ehrenamtliche Mitarbeiter nicht leistbar.
Die Zuschüsse und Freiwilligkeitsleistungen sind gut
angelegt.
Wie mit der Schulsozialarbeit wird hier in die Zukunft
unserer Gesellschaft investiert.
Eigentlich wäre diese, nach unserem Verständnis, eine Aufgabe
des Landes und von ihm zu bezahlen.
Da dies wohl nicht zu erreichen ist, sollten die Kosten für
die Schulsozialarbeit in die Kalkulation der Sachkostenbeiträge einfließen und
damit über diesen Weg an die Schulträger abgegolten werden.
Wir bitten die Landkreisverwaltung, dies bei jeder sich
bietenden Gelegenheit im Landkreistag und bei der Landspolitik zu fordern.
Bei den Sachmitteln ist der Landkreis automatisch mit im
Boot.
Eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der
Verkehrsinfrastruktur im Landkreis Biberach wurde mit dem Spatenstich der
Nord-West-Umfahrung am letzten Mittwoch begonnen.
Für diese Baumaßnahme haben sich die Freien Wähler, wie viele
Kolleginnen und Kollegen der übrigen Fraktionen, sehr stark engagiert.
Wir sind froh, dass jetzt begonnen werden konnte.
Dabei wollen wir auch
das gute Zusammenwirken des Landkreises mit der Stadt Biberach und der Gemeinde
Warthausen dankbar erwähnen.
Die Planung des Aufstiegs zur B 30, und damit zur optimalen
Anbindung der Nord-West-Umfahrung an die Verkehrshauptschlagader des
Landkreises, ist aus unserer Sicht weiter zu forcieren.
Zu den vom Landkreis vertraglich eingegangenen
Verpflichtungen der Straßenbaumaßnahmen in Riedlingen bekennen wir uns trotz der
zwischenzeitlich eingetretenen Verzögerung
und Erschwerung durch das FFH-Gebiet.
Der sehr guten Stellungnahme der Landkreisverwaltung zum
Generalverkehrsplan muss jetzt eine bestmögliche Vorbereitung der im Frühjahr
zu erwartenden Ausweisung der Einzelmaßnahmen
folgen.
Bei den Straßen ist unser größtes Problem im Landkreis
Biberach und darüber hinaus, dass die Ost-West-Verbindungen bei den
Bundesstraßen völlig unzureichend sind. Deshalb weicht der Verkehr zunehmend
auf Landes- und Kreisstraßen z. B. auf die L 278, an der die Anliegergemeinden,
wie z.B. die Gemeinde Ingoldingen durch die Verkehrszunahme gewaltig leiden,
aus. Deshalb ist bei der anstehenden Fortschreibung des Generalverkehrsplans
ein hohes Engagement der Verwaltung und des Kreistags notwendig, um möglichst
viele Vorhaben in den vordringlichen Bedarf zu bekommen.
Hier
ist die Planungskooperation mit Kreis, Kommunen und
Wirtschaft wie bei der B 312 die
richtige Entscheidung und für zukünftige überregionale
Straßenbaumaßnahmen die einzige Möglichkeit, die
unerlässlichen Straßenbaumaßnahmen voran zu treiben.
Die Entscheidung des Landes und der Kommunen, in die Planung der Südbahn einzusteigen,
war richtig und bestärkt uns.
Gestern hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im Gespräch
in Berlin (unser Kollege Alexander Dehio war mit dabei) bei Abschluss der
Planung bis 2012 die Elektrifizierung der Südbahn bis 2017 zugesagt.
Das ist ein großer
Erfolg und er zeigt, dass bei einem gemeinde- und kreisüberschreitendem
Vorgehen und bei einem finanziellen Engagement der kommunalen Seite und der
Wirtschaft auch heute noch einiges bewegt werden kann.
Als Landkreis müssen wir auch das Augenmerk auf die
Donautalbahn und die Illertalbahn lenken. Sie müssen ebenfalls ertüchtigt
werden.
Auch hier ist ein Zusammenwirken über die Landkreis-, ja
sogar über die Regionalverbandsgrenzen hinaus unerlässlich.
Das Investitionsvolumen beim Straßenbau im Landkreis ist im
Haushaltsplan 2011 mit 7,26 Millionen um 2 Millionen höher als im laufenden
Haushalt. Dadurch ist ein sehr wirkungsvoller und zwingend notwendiger Ausbau der
Verkehrsinfrastruktur in den Jahren 2011 und 2012 im Landkreis möglich.
Jeden Tag werden über unsere Verkehrsinfrastruktur im
Landkreis alleine zu den Schulen ca. 15000 Schüler transportiert.
Die Organisation dieser logistischen Meisterleistung wird
durch unser Nahverkehrsamt geleistet.
Hier werden laut Haushaltsplan jedes Jahr ca. 11 Millionen
Euro bewegt.
Die notwendigen Erweiterungen
der Linien und Personentransportkapazität durch die neu geschaffenen Werkrealschulen
haben durch Erhöhung und Änderungen beim
Eigenanteil im Schülerverkehr nicht zu höheren Nettokosten geführt.
Allerdings ist dies nur eine vorläufige Bewertung, da noch
nicht alle Änderungen umgesetzt sind. Wir sind auf den zugesagten Bericht im 1.
Quartal 2011 gespannt.
Einen besonderen Dank von uns Freien Wählern möchte ich an
Herrn Karl-Ulrich Moser richten.
Er hat sich über Jahrzehnte mit seiner Tatkraft, seinem hohen
Sachverstand und seiner klaren Linie erfolgreich für die Verbesserung des ÖPNV
und Wahrung der Interessen des Landkreises eingesetzt.
Die beim Personal vorgesehenen Veränderungen tragen wir mit,
da der Wille der Verwaltung, auch hier sparsam vorzugehen, deutlich zu erkennen
ist. Überhaupt kein Verständnis haben wir, wie das Land die letzte
Verwaltungsreform zu Ende bringt.
Durch ein verständnisvolles Mitziehen der Mitarbeiter und
durch ein geschicktes Vorgehen der Landkreisverwaltung würde der Landkreis die
vorgegebene Effizienzrendite erreichen.
Dies wird jetzt unmöglich gemacht, wenn das Vermessungswesen
so wie geplant verändert wird.
Wir hoffen immer noch,
dass der Landtag wesentlich längere Übergangsfristen bringt, um das vorhandene
Personal weiterhin im Vermessungsdienst mit entsprechenden Gebühreneinnahmen
für den Landkreis einsetzen zu können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus unserem Wirtschaftsplan 2011
für den Abfallwirtschaftsbetrieb kann man erkennen, wie wichtig ausreichende
Nachsorgerücklagen für unsere Deponien sind.
Allein für die als erledigt erachtete Deponie in Unlingen
benötigen wir im kommenden Jahr zur dringend erforderlichen Sanierungen der
Sickerwasserleitung aus den Nachsorgerücklagen 650.000 Euro.
Das zeigt uns eindringlich, dass die Nachsorgerücklagen
notwendig sind und auch in der Höhe nicht angezweifelt werden sollten.
Wir stehen auch zu unserem bereits beschlossenen Konzept, das
5 bis 6 Recyclingzentren im Kreis vorsieht und bitten die Verwaltung, bei den
Verhandlungen mit DSD die Einführung der gelben Tonne zu forcieren.
Bei den Ausschreibungen hoffen wir auf die von den Gutachtern
eingeplanten Ergebnisse.
Und für die Leitung des Abfallwirtschaftsbetriebs
wünschen wir uns eine gute personelle Besetzung, die die Aufgaben mit dem
gleichen Sachverstand wie er bei Dr. Obert vorhanden ist, weiterführt.
Wir bedanken uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
Kreisverwaltung, der Kreiskliniken und den mit dem Landkreis
verbundenen Zweckverbänden, wir danken Ihnen, Herr Landrat Dr.
Heiko Schmid für Ihre umsichtige Arbeit. (und den Betrieben
für die geleistete Arbeit)
Wir danken Herrn Kreiskämmerer Miller und seiner Mannschaft von
der Kämmerei für die Ausarbeitung des Haushaltsentwurfs. Und
ich bedanke mich bei meinen Franktionsmitgliedern für die
Unterstützung bei der Ausarbeitung der Stellungnahme.
Die vor uns liegenden Jahre, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden
nicht einfach. Wir freuen uns auf sachliche, konstruktive und
erfolgreiche Hausahlts- und Finanzberatungen.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit !
(Haushaltsrede
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